Pressemitteilung 21.10.2016: 250 Jahre, unvergessen

Kommandant-Prendel-Orden beruft neue Mitglieder ins Ordenskapitel und ehrt damit ehrenamtliches Engagement ebenso wie den Leipziger Stadtkommandanten nach der Völkerschlacht

Leipzig, der 21. Oktober 2016. Das Ordenskapitel des 2015 von der Kultur- und Umweltstiftung Leipziger Land der Sparkasse Leipzig ins Leben gerufenen Kommandant-Prendel-Ordens zählt seit dem gestrigen Donnerstag zwei weitere und damit 18 Mitglieder. In einer festlichen Veranstaltung im Offizierheim der General-Olbricht-Kaserne in Leipzig wurden der französische Napoleon-Experte Professor Alain Pigeard sowie Stephan Seeger, Direktor Stiftungen der Sparkasse Leipzig, mit dem Kommandant-Prendel-Kreuz geehrt und damit zu persönlichen Mitgliedern des Ordens. Mit der undotierten Auszeichnung werden durch das Ordenskapitel Menschen gewürdigt, die sich seit mindestens 15 Jahren bemühen, die Erinnerung an die Leipziger Völkerschlacht im Jahr 1813 in der Region und darüber hinaus wachzuhalten. Darüber hinaus wurden drei weitere Menschen für ihr mindestens fünfjähriges ehrenamtliches Engagement zum Gedenken an die Völkerschlacht geehrt: Jürgen Hoffmann, seit 2000 Mitglied und seit 2007 Vorstandsmitglied des Verbandes Jahrfeier Völkerschlacht bei Leipzig 1813, Dieter Eiserbeck, 1980 Gründungsmitglied des Interessenvereins Völkerschlacht bei Leipzig sowie heute ehrenamtlicher Museumsführer in Liebertwolkwitz, sowie Bettina Wallasch, Vorsitzende des Stadt- und Heimatvereins Rötha. Die Kommandant-Prendel-Medaille ist mit 500 Euro dotiert.

v.l.n.r.: Stephan Seeger (Ordenskreuzträger und Kanzler des Kommandant-Prendel-Ordens, Direktor Stiftungen der Sparkasse Leipzig), Bettina Wallasch (Ordensmedaillenträgerin und Vorsitzende des Stadt- und Heimatvereins Rötha e. V.), Thorsten Schmidt (Ordenskreuzträger), Dieter Eiserbeck (Ordensmedaillenträger), Siegfried Meurer (Ordenskreuzträger), S.K.H. Franz Friedrich Prinz von Preußen, Jürgen Gentsch (Ordenskreuzträger), S.K.H. Georgi Michailowitsch Großfürst von Russland, Wolfgang Gerlach (Ordenskreuzträger), Prof. Dr. Dr. Alain Pigeard (Ordenskreuzträger), Martin Fiedler (Vize-Kanzler und Chef der Ordenskanzlei), Klaus Beckert (Ordenskreuzträger), Gert Pfeifer (Ordenskreuzträger), Elena Semenishcheva (Ordenskreuzträgerin), Alexsey Arschinov (Ordenskreuzträger), Jürgen Hoffmann (Ordensmedaillenträger), Bernd Baumbach (Ordenskreuzträger), Wolf-Dieter Schmidt (Ordenskreuzträger), Frank Hübler (Ordenskreuzträger) und Hans-Jürgen Donner (Ordenskreuzträger) Foto: Kultur- und Umweltstiftung / Volkmar Heinz (volkmar@heinz-report.de)

In der gestrigen Festveranstaltung erklärte Gabriele Greiner, Vorstandsvorsitzende der Stiftung, der Kommandant-Prendel-Orden stehe für alles, was viele Menschen in der Region heute mit der Völkerschlacht verbinden: „Es ist der Gedanke eines gelebten, greifbaren Geschichtsbewusstseins, das zahllose Menschen in Vereinen und Verbänden pflegen und mit formen. Es ist der Gedanke der Internationalität, der Menschen aus aller Herren Länder heute friedlich auf den Schlachtfeldern der Vergangenheit zusammenführt. Es ist die Idee eines gemeinsamen Europas, die sich in Veranstaltungen wie der heutigen manifestiert, wenn Gäste aus Deutschland, Frankreich oder Russland zusammenkommen, um gemeinsam des Geschehens vor mehr als 200 Jahren zu gedenken“.

Generalmajor Walter Spindler, Kommandeur des Ausbildungskommandos Heer in Leipzig, erinnerte daran, dass sich 2016 der Geburtstag des Namensgebers zum 250. Male jährt, und würdigte den unmittelbar nach der Völkerschlacht bei Leipzig als Stadtkommandanten eingesetzten von Prendel: „Er war in seiner Leipziger Zeit kein herrischer Besatzer, der von der Kaserne oder dem Rathausbüro dirigiert, sondern er beteiligte sich am bürgerlichen Leben der Stadt.“ Es sei kein Wunder, dass ihn der Magistrat direkt nach seiner Abberufung 1814 zum Ehrenbürger ernannt habe.

Im Beisein seines ebenfalls anwesenden Onkels Franz Friedrich Prinz von Preußen erklärte Georgi Michailowitsch Großfürst von Russland in seinem Grußwort: „General von Prendels Name steht als ein Symbol der Freundschaft, die zwischen Russland und Deutschland existiert. Es ist die Erinnerung an bemerkenswerte Menschen wie ihn, die uns hilft, den Weg zu einem besseren Verständnis voneinander und zur Zusammenarbeit zu finden.“ Georgi Michailowitsch Großfürst von Russland hatte bereits an den von der Stiftung organisierten Gedenkveranstaltungen zum 200. Jahrestag der Völkerschlacht im Oktober 2013 in Leipzig und Rötha teilgenommen (lesen Sie hierzu auch eine Pressemitteilung des Russischen Kaiserlichen Hauses).

Alexsey Arschinov, Vizepräsident der Internationalen militär-historischen Assoziation Moskau, machte in seiner Festrede deutlich, warum Jubilar Prendel die Benennung eines Ordens rechtfertige: „Zeitlebens führte Prendel ein diszipliniertes Leben. Er formulierte klar mit einem markanten persönlichen Stil. Er besaß alle Feinheiten eines schlauen Diplomaten. Er beharrte auf ein gegebenes Wort und bewahrte alle ihm anvertrauten Geheimnisse. […] Prendels vorbildlicher und ehrenvoller Einsatz war für die Kultur- und Umweltstiftung Leipziger Land der Sparkasse Leipzig Grund genug den Kommandant-Prendel-Orden zu begründen.“

Die Ordensträger 2017

Alain Pigeard gilt als einer der renommiertesten Napoleonkenner Frankreichs. Die Publikationsliste des 1948 im französischen Dijon geborenen Pigeard weist 63 Bücher und über 400 Artikel für Zeitungen und Zeitschriften auf. Seit 1968 ist er Mitglied der „Souvenir napoleonien“, seit 2012 deren Präsident. Darüber hinaus ist er Sekretär der französischen Napoleongesellschaft, der „Fondation Napoleon“. Laudator Wolf-Dieter Schmidt, Vorstand des Interessenverein Völkerschlacht bei Leipzig 1813 e.V., hob hervor: „Auch zur Völkerschlacht haben wir Alain Pigeard wichtige historische Erkenntnisse zu verdanken. Mit seinen Publikationen hilft er uns, die Ereignisse von 1813 besser zu verstehen und das Andenken an die größte militärische Auseinandersetzung in unserer Region wachzuhalten.“

Stephan Seeger, 1959 geboren, kam 1993 nach Leipzig, zunächst als Pressesprecher des Regierungspräsidenten. Seeger ist Gründungsmitglied des Fördervereins Völkerschlachtdenkmal e. V. und war von 1998 bis 2002 dessen erster Vorsitzender. Später erarbeitete er die Konzepte für das Stiftungsengagement der Sparkasse Leipzig, heute ist er Direktor Stiftung der Sparkasse Leipzig. Seeger bedankte sich für die Ehrung und mahnte: „Wenn wir aus all den Erfahrungen, die uns die Geschichte nicht erst seit 1813 zur Verfügung stellt, etwas gelernt haben wollen, dann ist es der Respekt vor dem Andersdenkenden, der demokratische Diskurs, dessen Qualität sich auch im sprachlichen Umgangsstil widerspiegelt, und die Achtung der unantastbaren Würde des Menschen.“

v.l.n.r.: Frank Hübler (Kayserlich Russisch-Deutsche Legion e. V.), Stephan Seeger (Ordenskanzler und Direktor Stiftungen der Sparkasse Leipzig), S.K.H. Georgi Michailowitsch Großfürst von Russland, Alexsey Arschinov (Vizepräsident der Internationalen militär-historischen Assoziation Moskau), Prof. Dr. Dr. Alain Pigeard (Präsident des Le Souvenir Napoléonien) und der „sächsische Offizier“ Hans-Jürgen Donner (Direktor des Militär-Historischen Museums Wolkenstein) Foto: Kultur- und Umweltstiftung / Volkmar Heinz (volkmar@heinz-report.de)

Mit der mit 500 Euro dotierten Kommandant-Prendel-Medaille wurden Jürgen Hoffmann, Dieter Eiserbeck sowie Bettina Wallasch geehrt. Jürgen Hoffmann ist seit 16 Jahren Mitglied im Verein französische Marinegarde. Seit 2002 ist er auch Mitglied im Verband Jahrfeier Völkerschlacht bei Leipzig 1813, seit 2007 ist er hier Vorstandsmitglied. Für den Verband hält er die Kontakte zu den Gruppen und Vereinen, die sich an den jährlichen Gedenkveranstaltungen beteiligen. Er plant das Biwak, klärt logistische Belange und steuert die Abläufe bei der Gefechtsdarstellung.

Dieter Eiserbeck gehörte bereits 1980 zu den Gründungsmitgliedern des Interessenvereins Völkerschlacht bei Leipzig. Er war Mitglied der Darstellungsgruppen der französischen 6. Leichten Infanterie und der sächsischen Artillerie. Heute ist er wichtiger Unterstützer des jährlichen Patrouillenrittes in der Region und gibt sein umfangreiches Wissen an Museumsbesucher und Schulklassen in Liebertwolkwitz weiter. Darüber hinaus arbeitet er ehrenamtlich als Stadtführer in der historischen Nachtwächteruniform in Liebertwolkwitz.

Bettina Wallasch ist die Vorsitzende des Stadt- und Heimatvereins Rötha, seit 2001 unterstützen sie und der Verein das Stadt- und Heimatmuseum in Rötha. Darüber hinaus ist Rötha einer der Anlaufpunkte des Patrouillenrittes, die Aktivitäten dort werden von Bettina Wallasch koordiniert.

Zur Wahl der Ordensträger

Auf Vorschlag des Ordenskanzlers und seiner drei Stellvertreter wählt das aus derzeit 18 Mitgliedern bestehende Ordenskapitel mit einer Zweidrittelmehrheit die Ordensträger. Das Ordenskreuz wird jährlich an höchstens eine in- und eine ausländische Person verliehen und ist undotiert. Die Medaille wird an jährlich höchstens drei Ordensträger verliehen und ist derzeit mit 500 Euro dotiert. Weitere Informationen finden Sie in der Satzung des Kommandant-Prendel-Ordens.

21.10.2016

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Stiftung

Die Kultur- und Umweltstiftung Leipziger Land wurde im Jahre 2001 anlässlich des 175. Firmenjubiläums der Stadt- und Kreissparkasse Leipzig erstmals der Öffentlichkeit präsentiert. Sie hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Natur und den kulturellen Reichtum im ehemaligen Landkreis Leipziger Land zu bewahren und zu fördern.

Finanzierung

Finanziert werden die Stiftungs-Projekte aus den Erträgen des Stiftungsvermögens sowie durch Zuwendungen und Spenden Dritter.

Struktur

Der Stiftungsrat ist das höchste Gremium der Stiftung. Der Stiftungsrat hat, entsprechend einem Aufsichtsrat bei Kapitalgesellschaften oder einem Verwaltungsrat bei einer Anstalt des öffentlichen Rechts, kontrollierende und beratende Funktion. Der Vorstand entscheidet über die Vergabe von Stiftungsmitteln im Rahmen der vom Stiftungsrat vorgegebenen Richtlinien.

Förderungen

Die Stiftung fördert Einzelprojekte in den Bereichen Kultur und Umwelt im ehemaligen Landkreis Leipziger Land. Bewerben können sich gemeinnützige Vereine, Schulen und Kommunen. Von der Förderung ausgeschlossen sind Projekte, die in erster Linie staatliche Aufgaben sind oder der Gemeinnützigkeit widersprechen.

Antragstellung

Förderanträge müssen folgendes enthalten:

  • Projektbeschreibung
  • Finanzierungsplan, der Eigen- und Drittmittel ausweist
  • Höhe des Förderbedarfs
  • Nachweis der Gemeinnützigkeit
  • Vereinssatzung

Anträge können bis zum 15. September eines jeden Jahres für das Folgejahr bei der Kultur- und Umweltstiftung Leipziger Land eingereicht werden.

Sie können den beiliegenden Förderantrag nutzen:
PDF: Antrag auf Förderung
Word: Antrag auf Förderung

Die Stiftung erbittet zur Antragstellung die Nutzung dieser Formulare. Zum Ansehen bzw. Drucken benötigen Sie den Acrobat Reader von Adobe. Sollten Sie den Acrobat Reader nicht auf Ihrem PC installiert haben, können Sie ihn bei Adobe kostenlos herunterladen.

Anschrift der Stiftung

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Förderprojekte

Auf dieser Seite finden Sie Beispiele von Projekten und Veranstaltungen der Kultur- und Umweltstiftung.

Zusätzlich sind alle Projekte im Zusammenhang mit dem 200. Jahrestag der Völkerschlacht thematisch in einer gesonderten Rubrik Völkerschlacht zusammengefasst.

Sie finden in dieser Rubrik ebenso eine Auswahl der aktuell und bisher geförderten Projekte der Kultur- und Umweltstiftung der Sparkasse Leipzig. Diese sind nach Jahren geordnet.

Verlängerung_Lindenallee_Eythra_5 (Gunter Arndt)

Röthaer_Raben_Theaterprojekt_1 (IG Röthaer Stadtraben n. e.  V.)

Schlosspark_Benndorf_4 (Denis Brauße)

Patrouillenritt_2013_1 (LiebDorf-1813, frühere Ritte)

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Presse

Geschichtsstunde mit dem Freiherrn

Wertvolles Kulturgut der Familie von Friesen an Kultur- und Umweltstiftung der Sparkasse übergeben

von Thomas Mayer (Chefreporter a. D. der Leipziger Volkszeitung und 2. Stellvertretender Vorsitzender des Stiftungsrates)

Bettina Wallasch ist die engagierte Vorsitzende des Heimatvereins Rötha. Sie hat wertvolles Kulturgut zum Treff in der Villa Ida, dem Sitz der Kultur- und Umweltstiftung Leipziger Land der Sparkasse Leipzig, mitgebracht. Wallasch kommt, wie sie selbst sagt, „mit einem lachenden und weinenden
Auge“. Die Gemälde und Urkunden aus dem Besitz der Familie von Friesen, einem über die Jahrhunderte in der Kleinstadt südlich von Leipzig ansässigen Adelsgeschlechts, hatten bislang sie und ihr Verein in Verwahrung, wohl wissend, dass das keine sachgerechte Lösung auf Dauer sein kann.

Heinrich Freiherr von Friesen (Mitte) übergibt die beiden Gemälde seiner Vorfahren Marie Charlotte Freifrau von Friesen und Christian August Freiherr von Friesen an die Kultur- und Umweltstiftung. v.l.n.r.: Wolfgang Klinger (stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Stiftung), Dr. Harald Langenfeld (Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Leipzig und 1. stellvertretender Stiftungsratsvorsitzender), Heinrich Freiherr von Friesen, Maximilian Graf Solms zu Laubach und Stephan Seeger (geschäftsführender Stiftungsvorstand und Direktor Stiftungen der Sparkasse Leipzig)

Nun hat sich Heinrich Freiherr von Friesen (81) entschieden, das wertvolle Familiengut, wie schon zuvor die Bibliothek, die es einst auf Schloss Rötha gab, der Kultur- und Umweltstiftung der Sparkasse zu übereignen. Das geschieht stilvoll, fast in Form einer Geschichtsstunde. Der Freiherr kennt die Seinen. Da wäre sein Vorfahre Christian August Freiherr von Friesen, um 1710 in Öl gemalt wie seine Ehefrau Marie Charlotte. „Er war ein großer Militär und im 18. Jahrhundert in diversen Schlachten unterwegs. In Rötha muss er eher selten gewesen sein, was ihn freilich nicht davon abhielt, dafür zu sorgen, dass die beiden Kirchen der Stadt dank seiner Gönnerschaft mit Silbermannorgeln ausgestattet werden konnten. Der Meister besuchte selbst das Schloss“, weiß von Friesen jr.

v.l.n.r.: Stephan Seeger, Wolfgang Klinger, Gabriele Greiner (Vorstandsvorsitzende der Stiftung), Dr. Harald Langenfeld, Ursula Gräfin zu Solms-Laubach, Heinrich Freiherr von Friesen und Maximilian Graf zu Solms-Laubach

Er stellt die „Erhebungsurkunde“ seiner Vorfahren in den Reichsfreiherrenstand durch Kaiser Ferdinand III. aus dem Jahr 1653 vor, zeigt die Papst-Bulle von Sixtus IV. aus dem Jahr 1489, das Röthaer St.-Georgen-Stift betreffend, und spricht über den Kaufbrief fürs Rittergut Rötha von 1592. Als Faksimile beigegeben ist die Gründungsurkunde der Meissner Porzellanmanufaktur. An der Geburtsstunde des Unternehmens im Jahr 1710 auf der Albrechtsburg hatte mit Otto Heinrich Freiherr von Friesen ein Spross der Familie Anteil. Er war der Kanzler am Hofe August des Starken, wie von Friesen jr. interpretiert, „der Chef der Staatskanzlei“.

Der heutige Freiherr sieht einen weiteren Teil des Familienerbes in guten Händen. Als zehnjähriger Junge hatte er mit Eltern und Geschwistern im Oktober 1945 und mit nur sechs Gepäckstücken aus Rötha fliehen müssen. „Es schien ein Abschied für immer zu sein“, denkt er zurück. Schloss und Park verfielen in den bald folgenden DDR-Zeiten. Das 1668 im frühbarocken Stil fertiggestellte Schloss wurde 1969, also nach 300-jähriger Geschichte, gesprengt. Durch den barbarischen Akt ging viel verloren, vor allem kulturelle Identität, die in den vergangenen Jahren durch vielerlei Initiativen auch seitens der Kultur- und Umweltstiftung eine Renaissance erlebt. Sparkassenchef Harald Langenfeld dankte von Friesen fürs Vertrauen: „Sie wissen ja, Stiftungen sind für die Ewigkeit angelegt.“

Der Artikel erschien in der Leipziger Volkszeitung vom 28. Februar 2017 (Seite 15).

Alle Fotos: Kultur- und Umweltstiftung/Volkmar Heinz

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Erich-Loest-Archiv

Erich Loest zum 90. Geburtstag – Andenken an wirkmächtigen Literaten

Medienstiftung der Sparkasse Leipzig lobt den „Erich-Loest-Preis“ aus

Am 24.2.2016 wäre Erich Loest 90 Jahre alt geworden. Für die Medienstiftung der Sparkasse Leipzig Anlass, den

Erich-Loest-Preis

auszuloben. Der Preis wird erstmals am 24. Februar 2017 und dann alle zwei Jahre vergeben; er ist mit 10.000 Euro dotiert.

Stephan Seeger, geschäftsführender Vorstand der Medienstiftung: „Stiftungsvorstand und Stiftungsrat ehren mit dieser Entscheidung einen wirkmächtigen Literaten, gesellschaftspolitisch denkenden Kopf, stetigen Mahner, wenn die Untiefen deutscher und deutsch-deutscher Geschichte in Vergessenheit zu drohen gerieten, und bekennenden Leipziger, dem die Geschicke seiner Stadt eine Herzensangelegenheit waren.“

Der Erich-Loest-Preis wird bevorzugt an Autoren aus Mitteldeutschland vergeben; er wird nicht ausgeschrieben. Die Auswahl der Preisträgerin/des Preisträgers erfolgt ausschließlich über die Jury, in der jedes Mitglied eine Stimme hat. Details werden in den Vergaberichtlinien festgelegt, die zurzeit ausgearbeitet und mit der Jury abgestimmt werden. Mitglieder der Jury sind: Hartwig Hochstein, Chefredakteur der Leipziger Volkszeitung a. D. und Mitglied des Stiftungsrates der Medienstiftung, als Vorsitzender; Dr. Jens Bisky, Süddeutsche Zeitung; Dr. Thomas Brückner, Autor und Herausgeber; Jan Emendörfer, Chefredakteur der Leipziger Volkszeitung und Mitglied des Stiftungsrates der Medienstiftung; Ullrich Hammerschmidt, Freie Presse/Chemnitz; Prof. Dr. Josef Haslinger, Deutsches Literaturinstitut an der Universität Leipzig; Sven Felix Kellerhoff, Die Welt; Thomas Mayer, Journalist und Autor; Regine Möbius, ver.di-Bundesbeauftragte für Kunst und Kultur; Andreas Montag, Mitteldeutsche Zeitung/Halle; Andreas Platthaus, Frankfurter Allgemeine Zeitung; Linde Rotta, Schriftstellerin; Dr. Katrin Schumacher, MDR Figaro. (weitere Informationen finden Sie hier.)

Oberbürgermeister Burkhard Jung: „Leipzig und Erich Loest, welche eine Beziehung! Wie John Dos Passos und New York, James Joyce und Dublin.“

Burkhard Jung, Oberbürgermeister der Stadt Leipzig und Vorsitzender des Stiftungsrates der Sparkassenstiftung, betont: „Leipzig und Erich Loest, welche eine Beziehung! Wie John Dos Passos und New York, James Joyce und Dublin. Erich Loest hat Leipzig nicht nur einmal zu seinem Thema gemacht. Leipzig war ‚sein‘ Thema. Er hat unsere Stadt in die Literatur des 20. Jahrhunderts eingeschrieben: ‚Völkerschlachtdenkmal‘, ‚Nikolaikirche‘, ‚Reichsgericht‘, ‚Löwenstadt‘. Mit einem weiteren Buchtitel ist alles gesagt: ‚Leipzig ist unerschöpflich‘. Der ‚Erich-Loest-Preis‘ der Medienstiftung unserer Sparkasse spricht von dieser einzigartigen Beziehung eines Autors zu seiner Stadt.“

Linde Rotta: „Sein Schreiben blieb stets Mahnung zur Wachsamkeit, niemals wieder unsere demokratische Freiheit aufs Spiel zu setzen.“

Über die Entscheidung der Stiftungsgremien freut sich seine Lebensgefährtin Linde Rotta: „… ‚und was du siehst, das schreibe in ein Buch‘ (Off. Joh. I, 11) – obwohl kein praktizierender Christ, könnte kein Wort besser den geistigen Auftrag erklären, an den Erich Loest sich literarisch gebunden sah. Zwei durchlittene Diktaturen hatten ihn zum tief überzeugten Demokraten geläutert. Sein Schreiben blieb stets Mahnung zur Wachsamkeit, niemals wieder unsere demokratische Freiheit aufs Spiel zu setzen. Lügen, Taktierereien, Sonntagsreden waren seine Sache zu keiner Zeit, literarische Manierismen verabscheute er zutiefst. Sein Prinzip: Das deutliche Wort. Charakterliche Geradlinigkeit, eine klare moralische Haltung werden sein unverkennbares Markenzeichen bleiben.“

Dr. Harald Langenfeld: „Erich Loests Stimme fehlt uns, gerade jetzt, gerade heute.“

Erich Loest war Gründungsmitglied der Medienstiftung der Sparkasse Leipzig und gab ihr über viele Jahre als Stiftungsratsmitglied wichtige Impulse. Am Sitz der Leipziger Sparkassen-Stiftungen, der Villa Ida, wird sein literarischer Nachlass gepflegt und bewahrt. Die Bedeutung des Autors für die Stiftung erklärt Dr. Harald Langenfeld, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Leipzig und der Medienstiftung: „Erich Loests Stimme fehlt uns, gerade jetzt, gerade heute. Ich kann mir lebhaft vorstellen, wie er, der wie kaum ein anderer die jüngere deutsche Geschichte durchlebt und erlitten hat, die Ereignisse, die sich seit geraumer Zeit beinahe jeden Montag auf den Straßen Dresdens, Leipzigs und an anderen Orten abspielen, kommentiert hätte. Erich Loest war unseren Stiftungen langjähriger Begleiter, Förderer, Mäzen und treuer Freund. Es ist unserer Medienstiftung Ehre und Verpflichtung zugleich, zum 90. Geburtstag Erich Loests‘ einen Literatur-Preis seines Namens auszuloben; ein Name, der mit hervorragenden Charaktereigenschaften eines Menschen verbunden ist: Mut, Wahrheitsliebe, Unerschrockenheit, Menschlichkeit.“

Die Stadt Leipzig ehrt ihren verstorbenen Ehrenbürger durch die Benennung der Bibliothek im Stadtteil Gohlis mit dem Namen Erich-Loest-Bibliothek am 24. Februar 2016, 11 Uhr, Georg-Schumann-Straße 105, 04155 Leipzig.

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Völkerschlacht

Die Kultur- und Umweltstiftung Leipziger Land der Sparkasse Leipzig unterstützt seit vielen Jahren das Gedenken an die Völkerschlacht. Die Stiftung ist Partner zahlreicher Projektträger im Leipziger Umland und unterstützte mit zahlreichen Förderungen Aktivitäten im ehemaligen Landkreis Leipziger Land im Gedenkjahr 2013.

Zum 200. Mal jährte sich im Oktober 2013 die Völkerschlacht bei Leipzig. Das Ereignis vom 16. bis 19. Oktober 1813 war die Entscheidungsschlacht der Befreiungskriege im Kampf der alliierten Österreicher, Preußen, Russen und Schweden gegen die Truppen Napoleon Bonapartes – und eine der wichtigsten Weichenstellungen für die Zukunft Europas, die die Region Leipzig ins Zentrum der Weltgeschichte rückte. Vier Tage lang waren bis zu 600.000 Soldaten an der Schlacht um die Vorherrschaft in Europa beteiligt. 100.000 getötete und verwundete Menschen zeigen die Härte der damaligen Kämpfe. Nach der Niederlage bei Leipzig musste sich der französische Kaiser nach Westen über den Rhein zurückziehen, der Weg war frei für die Neuordnung der europäischen Machtverhältnisse auf dem Wiener Kongress.

Zahlreiche Gemeinden, Vereine und Institutionen aus dem Südraum Leipzigs arbeiteten zum Teil mehrere Jahre intensiv und mit sehr viel Engagement daran, den 200. Jahrestag der Völkerschlacht angemessen zu würdigen: Mehrere Ausstellungen, beispielsweise im Sanitäts- und Lazarettmuseum Seifertshain oder dem Markkleeberger Torhaus verwiesen auf die historische Dimension des Ereignisses. Entscheidende Schauplätze wurden aufwändig restauriert. Tausende Menschen beteiligten sich an einer historischen Nachstellung der Schlacht (Reenactment) oder einzelnen Facetten wie den Patrouillenritten zwischen den Truppenteilen und ihren Quartieren.

Ein Gedenktreffen in Leipzig und Rötha, 1813 das Hauptquartier der gegen Napoleon verbündeten Heere, war einer der Höhepunkte der Feierlichkeiten im Oktober 2013: Nachkommen der 1813 maßgeblich in die Geschehnisse involvierten Fürstenhäuser folgten der Einladung der Kultur- und Umweltstiftung Leipziger Land der Sparkasse Leipzig und des Fördervereins Rötha – Gestern. Heute. Morgen. e. V., um am historischen Ort gemeinsam der Gefallenen der Völkerschlacht zu gedenken. Das Treffen hielt die Erinnerung an das Jahr 1813 – jedoch ebenso an das Jahr 1913, den Vorabend des 1. Weltkrieges – wach. Es gemahnte uns an die Zerbrechlichkeit des Friedens in Europa gerade auch in der heutigen Zeit europäischer Finanz-, Wirtschafts- und Identitätskrisen. Für das Gedenktreffen an die Völkerschlacht in Leipzig und Rötha übernahm die Stiftung selbst gemeinsam mit dem Förderverein Rötha – Gestern. Heute. Morgen. e. V. die Gastgeberrolle.

In einem gemeinsamen Kommuniqué, das im Verlauf der Gedenkveranstaltungen im „Mediencampus Villa Ida“ unterzeichnet wurde, betonten die Repräsentanten der Fürstenhäuser: „Wir haben in Leipzig erlebt, wie die Kämpfe unserer Vorväter Erfüllung finden, indem die Feindschaft erlischt. Wir wünschten, dass Entscheidungsträger in Politik und Gesellschaft, in Wirtschaft und Medien ihr Handeln, den Bürgern und Gästen Leipzigs folgend, darauf ausrichteten, das gemeinsame Haus Europa in seinem Umfeld zu befrieden und in seinen Fundamenten zu stärken“.

In eben jenem historischem Bewusstsein und im Geiste des gemeinsamen Hauses Europa, halten Bürgerinnen und Bürger in Vereinen und Verbänden die Erinnerung an die Völkerschlacht bei Leipzig lebendig. Im Ansinnen, ihre verdienten Vertreterinnen und Vertreter zu ehren, stiftet die Kultur- und Umweltstiftung Leipziger Land der Sparkasse Leipzig seit 2015 den Kommandant-Prendel-Orden. Ausgezeichnet mit dem Kommandant-Prendel-Orden können nur Männer und Frauen werden, die sich in nationalen und internationalen Vereinen und Verbänden seit vielen Jahren kontinuierlich ehrenamtlich in der Region Leipzig engagieren, um die Erinnerung an die Ereignisse der Völkerschlacht bei Leipzig im Jahre 1813 wachzuhalten.

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Kontakt

Kultur- und Umweltstiftung Leipziger Land der Sparkasse Leipzig
Menckestraße 27
D-04155 Leipzig

Tel.: +49 341 – 5629 661
Fax: +49 341 – 5629 663

info(at)kultur-und-umweltstiftung.de

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Für die 3D-Ansicht klicken Sie hier!
Durch Klicken in die Animation kann das 3D-Modell frei gedreht und geschwenkt (Draufsicht) werden. Die Ladezeit des 3D-Modells hängt von der jeweiligen Internetverbindung ab.

Die „Freiherrlich von Friesen’sche Schlossbibliothek Rötha“ – ein bedeutsames sächsisches Kulturdenkmal

Das ehemalige Schloss der Freiherren von Friesen in Rötha war zur Zeit der Völkerschlacht 1813 nicht nur Hauptquartier und Ort der Entscheidungen der alliierten Monarchen, Zar Alexander I. von Russland, Kaiser Franz I. von Österreich und König Friedrich Wilhelm III. von Preußen, es beherbergte neben einer der umfangreichsten Porträt-Gemäldesammlungen auch eine der bedeutendsten, über Jahrhunderte entstandenen Bibliotheken Sachsens. Der Ruf der Schlossbibliothek Rötha war so weitreichend, dass er bis nach Berlin gelangte. Jedenfalls machte Friedrich der Große auf dem Eilmarsch mit seiner Armee von Schlesien nach Rossbach – wo er bekanntlich die Reichsarmee schlug – Ende Oktober 1757 in Rötha Halt, wo er auch übernachtete. Er begehrte unbedingt die Schlossbibliothek zu sehen und ist dann lange in einem Buch lesend im Schloßpark spazieren gegangen. Die Hausherrin, die ihren abwesenden Gemahl vertrat, Christine Jakobine von Friesen geb. Gräfin Werthern, hat diese Begebenheit und ihre Konversation mit dem König von Preußen in einem ausführlichen Bericht der Nachwelt erhalten.

Das nun hier gezeigte, digitale 3D-Modell des Schlosses Rötha in seiner Form von 1669 soll eine Vorstellung von diesem für Rötha einst so bedeutsamen Gebäude geben. Das Modell ist im Werden und wird über die kommenden anderthalb Jahre Verbesserungen (Perspektiven, Außengelände mit Einfügung kleiner Pleiße sowie Anpassung der Turmbekrönung) und Ergänzungen erfahren.

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Skizze des ehemaligen Schlossareals von Heinrich Freiherr von Friesen. Nach den Erinnerungen Heinrich Freiherr von Friesens gestalten wir im kommenden Jahr das Umfeld des Schlosses im Modell nach.

Technischer Hinweis: In der Originalversion der 3D-Animation ist der automatische Abspielmodus auf verzögerungsfreie Wiedergabe optimiert. Um jedoch die Ladezeiten, die je nach technischen Voraussetzungen (Internetverbindung, Konfiguration des PCs) unterschiedlich hoch ausfallen können, für einen möglichst großen Anwenderkreis so weit wie möglich zu minimieren, wurde der automatische Ablauf der Onlineversion entsprechend angepasst.

„Mit der visuellen Wahrnehmung kann dem Betrachter erstmalig gezeigt werden, was von einer geschichtlich vollkommen verblendeten und barbarischen Ideologie zerstört wurde“, stellt Heinrich Freiherr von Friesen fest, letzter auf Schloss Rötha geborener Nachfahre der Familie. Ihm sei Rötha „mein Paradies“ gewesen, so Freiherr von Friesen: Der Baukörper des Schlosses, als „Hymnus auf den Westfälischen Frieden“, 1669 in dieser Form errichtet, strahle „ein vollkommenes Ebenmaß aus, fast schmucklos, ohne jegliche Ausladung, hoch repräsentativ, aber ohne jeglichen Prunk.“

Von 1592 bis 1945 residierte die Familie von Friesen, ab 1653 als Reichs-Freiherren, im Schloss zu Rötha. Der Bauherr des in der Animation dargestellten 1669 geschaffenen Schlosses Karl von Friesen wirkte als Präsident des Obersten Konsistorialgerichts in Leipzig und vertrat nach dem Westfälischen Frieden von 1648 sächsische Interessen beim Reichstag in Regensburg. Heinrich Friedrich Graf von Friesen (1681-1739) war königlich-polnischer und kursächsischer Geheimer Kabinettsminister, Generalleutnant und Gouverneur zu Dresden, Johann Georg Friedrich Freiherr von Friesen (1757-1824) war Oberkammerherr, Geheimer Rat und Oberaufseher der Kunstsammlungen und der Bibliothek in Dresden, Friedrich Freiherr von Friesen (1796-1871) wurde Mitglied und Präsident der 1. Kammer des Sächsischen Landtags.

Mit der Bodenreform in der Sowjetischen Besatzungszone wurde die Familie enteignet und floh in den Westen. Heinrich Freiherr von Friesen bemüht sich seit 1990 um die Restitution des auf mehrere sächsische Bibliotheken verteilten Buchschatzes. Die seit 1990 restituierten Bücher sowie seine Eigentumsrechte an allen eindeutig der Schlossbibliothek zuzuordnenden Bücher und Handschriften überließ er, nach Zustimmung des Stiftungsrates und Abschluss der Vertragsverhandlungen im April 2014, mit Unterzeichnung des „Vertrages über die Errichtung des ,Freiherrlich von Friesen´sche Schlossbibliothek Rötha´- Fonds“ am 28. Mai 2014 der Kultur- und Umweltstiftung Leipziger Land der Sparkasse Leipzig, nachdem er bereits 2008 wesentliche Teile der eingangs erwähnten Gemäldesammlung dem Freistaat Sachsen in einer unselbstständigen Stiftung überlassen hatte (mehr dazu).

Heinrich Freiherr von Friesen wünscht sich langfristig eine Rücküberführung der Bibliothek nach Rötha: „Mir ist bewusst, dass hierzu eine Lösung gefunden werden muss, die unter denkmalpflegerischen, konservatorischen und archivarischen Gesichtspunkten den historischen Buchbestand auf Dauer sichert – und dass eine solche Lösung Zeit benötigt. Deshalb stimme ich der nun geschlossenen Kooperationsvereinbarung ausdrücklich zu.“

Die Stiftung verpflichtete sich, die Bibliothek nach Rötha zu überführen, sobald dort eine für die Aufnahme der Bestände geeignete, dem historischen Kontext zwischen ehemaligem Schloss, seiner Bibliothek und der Familie der Freiherren von Friesen angemessene Unterbringungsmöglichkeit besteht.

Zur Zusammenführung der Bibliotheksbestände hat die Stiftung eine Kooperationsvereinbarung mit der Sächsischen Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek Dresden (SLUB) sowie dem Landesamt für Denkmalpflege Sachsen geschlossen. Diese sieht vor, dass die wohl noch existierenden 4.000 Bände der einst über 10.000 Werke umfassenden Bibliothek, soweit noch nicht geschehen identifiziert, und in der SLUB zusammengeführt werden.

Dazu gehören 1.361 an Freiherr Heinrich von Friesen restituierte Bände, 87 Bände mit unsicherer Provenienz sowie 1.038 weitere fragliche Bände, die sich bereits im Bestand der SLUB befinden. Hinzu kommen circa 800 Bände, die derzeit, ebenso wie ein Gesamtkatalog der Schlossbibliothek, im Landesamt für Denkmalpflege aufbewahrt werden. Weitere Bestände werden in anderen Bibliotheken, unter anderem der Universitätsbibliothek Leipzig, vermutet.

In der SLUB sollen die Katalogbände von 1905/06 digitalisiert werden, die Bestände zugeordnet, verifiziert und inventarisiert sowie die Bücher im Lesesaal der SLUB interessierten Bibliotheksnutzern zugänglich gemacht werden. Die Kultur- und Umweltstiftung unterstützt die wissenschaftliche Aufarbeitung finanziell und fördert die Präsentation der Bestände. Zum einen soll eine Publikation über die ‚Freiherrlich von Friesen’sche Schloßbibliothek Rötha‘ entstehen. Zum anderen soll durch das 3D-Modell des Schlosses Rötha – und eine spätere Verknüpfung zu den SLUB-Datenbanken – Aufmerksamkeit auf die jahrhundertealten Bibliotheksbestände gelenkt werden.

„Damit wird der bisher verstreute, noch vorhandene historische Buchbestand wieder in großem Umfang an einem Ort zusammengefasst, die Prioritätensetzung der verschiedenen Sammler der Freiherren von Friesen über die Jahrhunderte hinweg nachvollziehbar und die Korrespondenzen zwischen einzelnen Bänden erlebbar. Die Stiftung und die Öffentlichkeit können Heinrich Freiherrn von Friesen für den verantwortungsvollen, altruistischen Umgang mit seinem restituierten Vermögen zur Bewahrung des kulturellen Erbes in der Region nicht genug danken“, erläutert Stephan Seeger, Geschäftsführender Vorstand der Kultur- und Umweltstiftung Leipziger Land.

Wappen der Reichsfreiherren von Friesen

Wappen der Reichsfreiherren von Friesen
Original aus der Urkunde zur Erhebung in den Reichsfreiherrenstand durch Kaiser Ferdinand III. im Jahre 1653

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