Historisches

Von 1592 bis 1945 residierte die Familie von Friesen, ab 1653 als Reichs-Freiherren, im Schloss zu Rötha. Der Bauherr des  1669 geschaffenen Schlosses in Rötha, Karl von Friesen, wirkte als Präsident des Obersten Konsistorialgerichts in Leipzig und vertrat nach dem Westfälischen Frieden von 1648 sächsische Interessen beim Reichstag in Regensburg. Heinrich Friedrich Graf von Friesen (1681-1739) war königlich-polnischer und kursächsischer Geheimer Kabinettsminister, Generalleutnant und Gouverneur zu Dresden, Johann Georg Friedrich Freiherr von Friesen (1757-1824) war Oberkammerherr, Geheimer Rat und Oberaufseher der Kunstsammlungen und der Bibliothek in Dresden, Friedrich Freiherr von Friesen (1796-1871) wurde Mitglied und Präsident der 1. Kammer des Sächsischen Landtags.

Mit der Bodenreform in der Sowjetischen Besatzungszone wurde die Familie enteignet und floh in den Westen. Heinrich Freiherr von Friesen bemühte sich ab 1990 um die Restitution des auf mehrere sächsische Bibliotheken verteilten Buchschatzes. Die seit 1990 restituierten Bücher sowie seine Eigentumsrechte an allen eindeutig der Schlossbibliothek zuzuordnenden Bücher und Handschriften überließ er, nach Zustimmung des Stiftungsrates und Abschluss der Vertragsverhandlungen im April 2014, mit Unterzeichnung des „Vertrages über die Errichtung des ,Freiherrlich von Friesen´sche Schlossbibliothek Rötha´- Fonds“ am 28. Mai 2014 der Kultur- und Umweltstiftung Leipziger Land der Sparkasse Leipzig, nachdem er bereits 2008 wesentliche Teile einer Gemäldesammlung dem Freistaat Sachsen in einer unselbstständigen Stiftung überlassen hatte.

Heinrich Freiherr von Friesen wünscht sich langfristig eine Rücküberführung der Bibliothek nach Rötha: „Mir ist bewusst, dass hierzu eine Lösung gefunden werden muss, die unter denkmalpflegerischen, konservatorischen und archivarischen Gesichtspunkten den historischen Buchbestand auf Dauer sichert – und dass eine solche Lösung Zeit benötigt. Deshalb stimme ich der nun geschlossenen Kooperationsvereinbarung ausdrücklich zu.“

Die Stiftung verpflichtete sich, die Bibliothek nach Rötha zu überführen, sobald dort eine für die Aufnahme der Bestände geeignete, dem historischen Kontext zwischen ehemaligem Schloss, seiner Bibliothek und der Familie der Freiherren von Friesen angemessene Unterbringungsmöglichkeit besteht.

Zur Zusammenführung der Bibliotheksbestände hat die Stiftung eine Kooperationsvereinbarung mit der Sächsischen Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek Dresden (SLUB) sowie dem Landesamt für Denkmalpflege Sachsen geschlossen. Diese sieht vor, dass die wohl noch existierenden 4.000 Bände der einst über 10.000 Werke umfassenden Bibliothek, soweit noch nicht geschehen identifiziert, und in der SLUB zusammengeführt werden.

Dazu gehören 1.361 an Freiherr Heinrich von Friesen restituierte Bände, 87 Bände mit unsicherer Provenienz sowie 1.038 weitere fragliche Bände, die sich bereits im Bestand der SLUB befinden. Hinzu kommen circa 800 Bände, die derzeit, ebenso wie ein Gesamtkatalog der Schlossbibliothek, im Landesamt für Denkmalpflege aufbewahrt werden. Weitere Bestände werden in anderen Bibliotheken, unter anderem der Universitätsbibliothek Leipzig, vermutet.

In der SLUB sollen die Katalogbände von 1905/06 digitalisiert werden, die Bestände zugeordnet, verifiziert und inventarisiert sowie die Bücher im Lesesaal der SLUB interessierten Bibliotheksnutzern zugänglich gemacht werden. Die Kultur- und Umweltstiftung unterstützt die wissenschaftliche Aufarbeitung finanziell und fördert die Präsentation der Bestände. Zum einen soll eine Publikation über die ‚Freiherrlich von Friesen’sche Schloßbibliothek Rötha‘ entstehen. Zum anderen soll durch das 3D-Modell des Schlosses Rötha – und eine spätere Verknüpfung zu den SLUB-Datenbanken – Aufmerksamkeit auf die jahrhundertealten Bibliotheksbestände gelenkt werden.

„Damit wird der bisher verstreute, noch vorhandene historische Buchbestand wieder in großem Umfang an einem Ort zusammengefasst, die Prioritätensetzung der verschiedenen Sammler der Freiherren von Friesen über die Jahrhunderte hinweg nachvollziehbar und die Korrespondenzen zwischen einzelnen Bänden erlebbar. Die Stiftung und die Öffentlichkeit können Heinrich Freiherrn von Friesen für den verantwortungsvollen, altruistischen Umgang mit seinem restituierten Vermögen zur Bewahrung des kulturellen Erbes in der Region nicht genug danken“, erläutert Stephan Seeger, Geschäftsführender Vorstand der Kultur- und Umweltstiftung Leipziger Land.