Der Schlüssel zu Loests zeitkritischen Romanen

Stiftungen der Sparkasse Leipzig fördern Publikation zu Erich Loests Roman "Der elfte Mann"

Leipzig, der 21. Februar 2018. Die Kultur- und Umweltstiftung Leipziger Land und die Medienstiftung der Sparkasse Leipzig unterstützen mit jeweils 2.000 Euro die Veröffentlichung des Buches "Lebensthema DDR" von Hans-Hermann Kestel, eine Untersuchung zu Erich Loests literarischem Schaffen. "Erich Loest, der am 24. Februar 92 Jahre alt geworden wäre, war nicht nur ein herausragender deutscher Schriftsteller, er war auch als Gründungsmitglied der Medienstiftung und Stiftungsratsmitglied eng mit den Stiftungen der Sparkasse Leipzig verbunden", erläutert Stephan Seeger, Geschäftsführender Vorstand der Medienstiftung und Direktor Stiftungen der Sparkasse Leipzig, die Förderung: "Hans-Hermann Kestel befasst sich seit über zehn Jahren mit Leben und Werk Erich Loests - seine nun vorgelegte Untersuchung kann die künftige Rezeption von Loests Romanen signifikant prägen", so Seeger weiter. "Lebensthema DDR" erscheint im Mai im Mitteldeutschen Verlag.

Im Fokus von Kestels literaturwissenschaftlicher Analyse steht der Roman "Der elfte Mann", den Kestel als Schlüssel zum Erzählwerk Erich Loests sieht. Der Roman sei "weitgehend vergessen oder zumindest völlig unterschätzt", schreibt Kestel. Dabei nehme er eine Schlüsselrolle ein, da er der erste einer langen Reihe kritischer Gegenwartsromane Loests war. Zahlreiche Motive in "Der elfte Mann" tauchen Kestel zufolge auch in den stärker beachteten späteren Romanen wie "Es geht seinen Gang oder die Mühen in unserer Ebene", "Völkerschlachtdenkmal", "Nikolaikirche" oder "Reichsgericht" wieder auf - "Der elfte Mann" sei damit "der 'Wurzelstock', aus dem große Teile des Loest'schen Erzählwerkes 'herauswachsen'". So beschäftigt sich Loest bereits in diesem Roman mit Themen wie der patriarchalisch organisierten DDR-Gesellschaft oder der sozialen Realität im real existierenden Sozialismus. Auch eine literarische Aufarbeitung eigener Hafterlebnisse findet sich - wie in vielen nachfolgenden Werken auch.

Zugleich lasse sich an diesem Roman exemplarisch aufzeigen, welch "komplexe motivisch-thematische Tiefenstruktur" sich in vielen Texten Loests verberge. Damit richtet sich "Lebensthema DDR" nicht nur an die Fachöffentlichkeit, sondern gleichzeitig an das literarisch interessierte Publikum, das einen fundierten Einblick in Leben und Werk des gebürtigen Sachsen Loest gewinnen will.

Loest, der am 24. Februar 1926 im sächsischen Mittweida geboren wurde, veröffentlichte in der DDR eine Reihe von Romanen und Erzählungen. Zeit seines Lebens war er wegen seiner oppositionellen Haltung im Visier der DDR-Regierung, siebeneinhalb Jahre verbrachte er im Bautzener Gefängnis. 1981 übersiedelte er in die Bundesrepublik. Er gilt als bedeutender Chronist der deutsch-deutschen Geschichte und setzte sich kritisch mit der SED-Diktatur auseinander. Loest war Mitbegründer der Medienstiftung der Sparkasse Leipzig. Heute wird im Erich-Loest-Archiv, das sich in der Villa Ida, dem Sitz der Leipziger Sparkassenstiftungen, befindet, sein literarischer Nachlass bewahrt und gepflegt. Seit Februar 2017 vergibt die Medienstiftung in Andenken an den Schriftsteller den mit 10.000 Euro dotierten Erich-Loest-Preis. Die Stiftung würdigt damit alle zwei Jahre Autoren mit mitteldeutschem Bezug, die die gesellschaftlichen und politischen Verhältnisse in Deutschland beschreiben und mit ihrer Stimme den demokratischen Diskurs mitgestalten. Erster Preisträger war Guntram Vesper.



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