Bedeutender kultureller Schatz gerettet

Kultur- und Umweltstiftung unterstützt Restaurierung zweier barocker Betstühle in der Marienkirche

Rötha, 24. August 2007. Die im April 2007 begonnene Restaurierung zweier barocker Betstühle in der Röthaer Marienkirche wurde im August desselben Jahres beendet. Damit konnte ein weiterer Abschnitt der Instandsetzung des gesamten Kircheninnenraumes, die bis zum 500-jährigen Jubiläum der Grundsteinlegung der Marienkirche im Jahr 2011 fertig gestellt werden soll, abgeschlossen werden.

Die Marienkirche und ihr besonderes Innenleben

Die Kirche St. Marien in Rötha wurde um 1510 errichtet. Ursprünglich handelte es sich um einen Marienwallfahrtsort, was sich noch an den zahlreichen Gnadenbildern der Marienverehrung erkennen lässt. Der Kirchenbau selbst besteht aus einer spätgotischen Hallenkirche, die eine für die damalige Zeit typische, maßvolle Bauart und Ausgestaltung besitzt. Der älteste noch erhaltene Teil im Inneren der Kirche ist der große Schnitzaltar von 1525 oder 1530. Seit den 1680ziger Jahren wurde der Kircheninnenraum einer Neuausstattung unterzogen, wobei bis ins 18. Jahrhundert hinein zahlreiche barocke Möblierungsstücke angeschafft wurden. Diese Möblierung dominiert das Kircheninnere und trägt dazu bei, dass dieser zu einem einzigartigen Erlebnis wurde. Neben einer neuen Kanzel und Taufe, wurden 1720 auch zwei Beichtstühle für die wohlhabenden Bürger Röthas installiert. Ein weiteres Glanzlicht der Marienkirche ist sicherlich auch die 1721-22 errichtete Silbermann-Orgel.

Nachdem bereits einige Restaurierungsmaßnahmen im Inneren der Kirche, wie die ebenfalls von der Kultur- und Umweltstiftung mit 10.000 Euro unterstützte Sanierung der Kanzel, abgeschlossen werden konnten, sollten auch die dringend restaurierungsbedürftigen Betstühle an die Reihe kommen.

10.000 Euro gegen Holzschädlinge und Wasserflecken

Bei den beiden barocken Betstühlen der Marienkirche handelt es sich um einen bedeutenden kulturellen Schatz, der der Erhaltung und Pflege bedarf. Aus diesem Anlass förderte die Kultur- und Umweltstiftung Leipziger Land der Sparkasse Leipzig die Restaurierung beider Stühle mit 10.000 Euro.

Die Betstühle, die sich an der Chornord- bzw. Chorsüdseite des Kircheninnenraums befinden, bestehen im Wesentlichen aus einem kastenförmigen Holzkorpus mit einer gestalteten Holzfront. Die Rücklagen werden von den Choraußenwänden selbst gebildet. Beide Stühle besitzen zwei Eingänge sowie ein eher schmuckloses Innenleben. An den Betstühlen finden sich mehrere noch weitestgehend erhalten gebliebene Ausmalungen, die nur einige Wasserflecken und Verschmutzungen aufweisen. Bei dem Stuhl an der Kirchensüdfront fehlte jedoch ein hölzernes Fenstergitter. Des Weiteren fanden sich jüngere Holzergänzungen am Gesims und den Fenstergittern im Inneren der Betstühle. Insgesamt machten die Holzverbindungen bei der Schadensbegutachtung noch einen stabilen Eindruck. Zielsetzung der Restaurierung war es somit eine restauratorisch-tischlermäßige Sicherung der Stühle und eine konservierende Wiederherstellung der originalen Oberflächenbemalung, bei der keine Rekonstruktion im Bereich von Fehlstellen durch Kittung oder Retusche erfolgen sollte, durchzuführen.

Nach den Voruntersuchungen zur Feststellung von Schäden und Holzschädlingsbefall, wurde mit der Sicherung der Holzkonstruktionen und der Instandsetzung des Holzkorpus beider Stühle begonnen. Bei der anschließenden Schadensbehebung wurden Festigungen von geschädigten Holzteilen, Neuverleimungen, das Schließen von Löchern und Restaurierungen von Türschlössern und Schließblechen durchgeführt. Abschließend wurden noch die Holzmalereien grundgereinigt und speziell konserviert. Bis zum August wurden sämtliche Arbeiten abgeschlossen und die restaurierten Betstühle der Öffentlichkeit präsentiert.


Förderprojekte:
10 000,00 € - Förderverein für die Restaurierung der Marienkirche Rötha und ihrer Silbermannorgel e. V.