Verständigung über Ländergrenzen hinweg

Engagement für das Völkerschlacht-Gedenken wird mit Kommandant-Prendel-Orden gewürdigt.

Leipzig, der 18. Oktober 2019. Mit der Aufnahme von zwei neuen Mitgliedern in das Ordenskapitel würdigt der Kommandant-Prendel-Orden zum bereits fünften Mal jahrzehntelange Erinnerungsarbeit an die Völkerschlacht bei Leipzig. Bei einer Festveranstaltung am heutigen Freitag in Leipzig wurden der Osnabrücker Karl-Heinz Lange, seit 1988 Präsident der "Napoleonischen Gesellschaft e. V.", sowie der Lette Igor Graholski, Kommandeur der "Kayserlich Russisch-Deutschen Legion Kurland", feierlich in die Reihen des Ordens aufgenommen und mit dem Kommandant-Prendel-Kreuz ausgezeichnet. Daneben verlieh der Orden drei mit 500 Euro dotierte Kommandant-Prendel-Medaillen an Thomas Schade und Michael Ettrich aus Sachsen sowie an den Tschechen Vaclav Reha.

"Unsere beiden neuen Kreuz- und die drei Medaillen-Träger stehen nicht nur für ein anhaltendes geschichtliches Interesse an den Geschehnissen der Völkerschlacht vor 206 Jahren, sondern auch für den Geist internationaler Verständigung, der das Völkerschlacht-Gedenken seit Jahrzehnten auszeichnet", würdigte Stephan Seeger, Kanzler des Kommandant-Prendel-Ordens und Direktor Stiftungen der Sparkasse Leipzig, die Geehrten: "Die gemeinsame Erinnerungsarbeit knüpft Freundschaften über Ländergrenzen hinweg und schafft eine Basis für eine gemeinsame europäische Geschichtsbetrachtung", so Seeger weiter. Mit der Aufnahme von Igor Graholski gewinnt der Kommandant-Prendel-Orden erneut an internationalem Format. Unter den bisherigen zweiundzwanzig Kreuzträgern und elf Medaillenträgern stammen sieben aus dem europäischen Ausland, darunter aus Russland, Frankreich, Polen, der Tschechischen Republik und Österreich.

Die Gründung des Kommandant-Prendel-Ordens wurde 2014 auf Anregung des inzwischen verstorbenen Ingo Landleiter durch die Kultur- und Umweltstiftung Leipziger Land der Sparkasse Leipzig initiiert. Im Oktober 2018 hat der sächsische St. Heinrichs Orden durch seinen Ordensherrn Alexander Prinz von Sachsen die Schirmherrschaft über den Kommandant-Prendel-Orden übernommen. Der Orden würdigt das aktive Engagement zur Erinnerung an die Völkerschlacht und erinnert zugleich an den Obristen Victor Anton Franz von Prendel, den der russische Zar nach der Völkerschlacht bei Leipzig am 21. Oktober 1813 als Stadtkommandanten einsetzte.

Kommandant-Prendel-Kreuz 2019

Der Lette Igor Graholski beschäftigt sich seit über 30 Jahren mit dem napoleonischen Zeitalter. 1987 gehörte er zu den Mitinitiatoren einer Darstellungsgruppe in Riga, die sich als "1. Polnisches Infanterieregiment des Herzogs von Warschau" aufstellte. 1991 gab es im Zuge einer Nachstellung der Schlacht von Jena und Auerstedt die ersten Kontakte zur in Leipzig aktiven "Kayserlich Russisch-Deutschen Legion", woraus sich eine Partnerschaft zwischen beiden Gruppen mit zahlreichen gemeinsamen Auftritten entwickelte. In den 2000er Jahren entstand aus dieser Kooperation eine weitere Darstellungsgruppe der "Kayserlich Russisch-Deutschen Legion" im lettischen Jelgava (Mittau), die 2007 erstmals mit den Leipzigern auftrat. Darüber hinaus wirkte Igor Graholski am Aufbau einer kommunalen und nationalen Struktur von Darstellungsgruppen in Lettland mit und half, zahlreiche historisch wichtige Orte wie Lesava (Eckau), Daugavpils (Dünaburg) oder Schloss Rundale als Veranstaltungsorte für Re-Enactments zu etablieren. Für die Partnergruppe in Leipzig organisierte er zahlreiche Reisen an diese historischen Orte und Veranstaltungsteilnahmen im Baltikum.

Karl-Heinz Lange, seit 1988 Präsident der von ihm mitbegründeten "Napoleonischen Gesellschaft e. V.", beschäftigt sich seit 1973 mit den Geschehnissen der napoleonischen Zeit. Ab 1984 entstand aus diesem Interesse eine Darstellungsgruppe, das "2te leichte Bataillon der Königlich Deutschen Legion Hannoversche Truppen 1803 bis 1816". In den folgenden Jahren baute Lange seine Kontakte zur "Napoleonic Association" in Großbritannien auf und nahm mehrfach an Re-Enactment-Veranstaltungen in England teil. 1987 erfolgte der erste Kontakt zu Darstellungsgruppen im Raum Leipzig, 1988 nahm Lange erstmals an einer Völkerschlacht-Darstellung in Leipzig teil, ein Kontakt, der nicht mehr abriss. Ab 1990 konnten die ostdeutschen Darstellungsgruppen auch an Veranstaltungen in Westeuropa teilnehmen, häufig auf Vermittlung Langes. 1993, zum 180. Jahrestag der Völkerschlacht, oblag ihm bei der Gefechtsdarstellung das Kommando über die alliierten Truppen. Über die von Lange mitbegründete "Napoleonische Gesellschaft", die sich als Dachverband zahlreicher Darstellungsgruppen versteht, werden viele Re-Enactments in Erinnerung an die napoleonische Zeit mitorganisiert, die in den vergangenen Jahren von Hunderttausenden Zuschauern besucht wurden.

Kommandant-Prendel-Medaille 2019

Vaclav Reha wurde in den 1970er Jahren Mitglied eines neu gegründeten militärhistorischen Zirkels des Stadtmuseums Ostrava (heute Tschechische Republik). Ihm oblag es, 1980 den Kontakt zum neu gegründeten "Interessenverein Völkerschlacht bei Leipzig 1813 e. V." herzustellen, um die ostdeutschen Darstellungsgruppen zum jährlichen Treffen am Schlachtfeld von Austerlitz einzuladen. Zahlreiche gegenseitige Besuche und gemeinsame Auftritte bei Re-Enactments folgten, zunächst in Ost-Europa, später auch in Waterloo oder Paris. Bis heute ist Vaclav Reha Chronist des "8. französischen Regiments" und nimmt weiterhin regelmäßig an Schlachtendarstellungen teil.

Thomas Schade ist seit 1998 Mitglied des Vereins "Historisches Torhaus zu Markkleeberg e. V." und als Trommler Mitglied der Darstellungsgruppe „32eme de ligne Frankreich“. Seit 2011 verantwortet er die Erstellung der Szenarien der Völkerschlacht-Darstellung bei Leipzig, darunter das Szenario zum 200. Jahrestag der Völkerschlacht 2013 mit über 6.000 Darstellern. Mit der Gründung des Deutschen Pelotons als Verbund mehrerer Einheiten der französischen Infanterie-Darstellung im Jahr 2015 übernahm er im Offiziersrang das Amt des Chef de Section.

Michael Ettrich nahm als Rittmeister und kommandierender Offizier des "Regiments der Elb-Nationalhusaren" sowie seit 2012 als Chef der Reservekavallerie der preußischen Brigade an fast 20 Nachstellungen der Völkerschlacht teil. Darüber hinaus gehört er zum Betreuerstab zahlreicher Veranstaltungen, an denen berittene Einheiten teilnehmen. Dabei kümmert er sich um die Erstellung und Einhaltung von Sicherheitsregularien und die Zusammenarbeit mit den Darstellern der sächsischen, bayerischen, österreichischen und französischen Kavallerie.

Zur Wahl der Ordensträger

Auf Vorschlag des Ordenskanzlers und seiner drei Stellvertreter wählt das Ordenskapitel mit einer Zweidrittelmehrheit die Ordensträger. Das Ordenskreuz wird jährlich an höchstens eine in- und eine ausländische Person verliehen und ist undotiert. Mit der Verleihung des Kreuzes ist zugleich die Aufnahme in das Ordenskapitel, dem höchsten Gremium des Ordens, verbunden.

Die Medaille wird an höchstens drei Ordensträger pro Jahr verliehen und ist mit 500 Euro dotiert. Weitere Informationen finden Sie in der Satzung des Kommandant-Prendel-Ordens.


Preisträger:
2019 - Ordensträger
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2019 - Ordensträger
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